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Einmal nach Istanbul

Endlich mal wieder raus in die Welt! Diesen kleinen Traum konnte ich mir im September 2021 verwirklichen, als ich gemeinsam mit über 40 kg Gepäck in den Flieger nach Istanbul stieg. Istanbul ist mit Sicherheit nicht das begehrteste Ziel unter Pforzheim’s Partneruniversitäten, allerdings meiner Meinung nach ein absoluter Geheimtipp!


Trotz anhaltender Pandemie bin ich im September 2021 in die Türkei geflogen. Die ersten drei Wochen habe ich erst einmal genutzt, um die Stadt zu erkunden. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten kam natürlich auch das Kulinarische nicht zu kurz!

Ende September gab es dann ein kurzes Orientierungsprogramm, bei dem neben Fragen zur Universität auch alles Mögliche rund um die Residence Permit (Aufenthaltsgenehmigung) und sonstige bürokratische Angelegenheiten geklärt wurden (oder wenigstens versucht wurde). Die Sabanci Universität in Tuzla, Istanbul zählt zu den besten Unis des Landes und das spiegelt sich auch an den Anforderungen wieder. Gleich zu Beginn wurden wir mit Assignments, Group Projects, Homework und Präsentationen überhäuft. Das hat sich leider auch bis zum Ende des Semesters nicht gebessert, da auch kurz vor den Final Exams noch weitere Assignments kurzfristig reingequetscht wurden. Die Sabanci ist eine Privat-Universität, die im Jahr 18.500 USD kostet. Daher staunen viele Türken oft, wenn man erwähnt, dass man hier studiert.

An der Sabanci gibt es zwar die Möglichkeit auf dem Campus in dem Wohnheim unterzukommen, allerdings stand für mich von Anfang an fest, dass ich ins „Stadtzentrum“ möchte. Daher entschied ich mich für eine WG in Kadiköy (sehr zu empfehlen!) auf der asiatischen Seite der Stadt. Von hieraus fährt auch das Shuttle mehr oder weniger regelmäßig an die Uni. Da die Universität sich weit außerhalb des Stadtkerns befindet und die Busfahrt dorthin leider oft von Stau geprägt ist, fand man mich öfter in den Zoom-Meetings als tatsächlich auf dem Kampus.

Kadiköy ist eines der 39 İlçe von Istanbul. Hier ist es weniger touristisch als auf der europäischen Seite. Der Bezirk ist geprägt von jungen und modernen Menschen und man ist perfekt an die Fähre, Metro, Marmaray und sonstige Verkehrsmittel angebunden. Unzählige süße Cafés und die vielseitigen Restaurants sprechen außerdem für Kadiköy.


Da ich leider jeden Tag der Woche Vorlesung hatte, haben sich meine Ausflüge im Land oft auf das Wochenende beschränkt. Inlandsflüge gibt es bereits ab 30 EUR hin und zurück. Mein liebster Ausflug war nach Dalaman. Hier hatte es Anfang/Mitte Oktober noch 28 ° Celsius. Gemeinsam mit Freunden war ich dort in einem Hotel und habe noch 3 Tage herrlichen Badeurlaub machen können.

Was ich auf jeden Fall auch jedem ans Herzen legen kann, ist ein Trip nach Kappadokien. Jeder kennt das typische Instagram-Travel-Bucketlist-Motiv, doch die wenigsten wissen, dass es in der Türkei liegt. Leider war ich aus zeitlichen Gründen nur eine Nacht dort, konnte aber trotzdem einen Heißluftballonflug, einen Ritt durchs Gebirge und eine kurze Töpfer-Session reinquetschen.

Was man auch an einem warmen Tag auf jeden Fall machen kann, ist ein kleiner Ausflug mit der Fähre zu den Prinzen Inseln. Die Fahrt dauert ca. 90 min zu der größten der Inseln Büyükada. Auf der Insel sind keine Autos erlaubt, daher mietet man sich am besten ein Fahrrad oder fährt mit dem kleinen Bus einmal um die Insel. Von der Insel hat man eine unglaubliche Aussicht auf Istanbuls nichtendendwollende Skyline und kann gleichzeitig Ruhe fernab der Stadttrubels genießen.



Überraschend fand ich, dass Englisch hier auf der Straße oft nicht viel hilft. Die wenigsten sprechen Englisch und wenn, dann oft nur ein paar Worte. Obwohl ich einen Türkisch-Kurs besucht habe, war Google-Übersetzer oftmals die letzte Lösung, um dann letztendlich doch die richtige Mahlzeit zu bekommen oder herauszufinden, ob die Fähre wirklich nach Beşiktaş fährt.

Besonders betonen möchte ich auch, dass ich in den vier Monaten hier maximal 10 Mal selbst gekocht habe. Essen gehen ist vergleichsweise so viel einfacher und sehr günstig. Gerade durch den Wertverlust der Lira wurden viele Dinge für uns noch viel günstiger. Im Schnitt habe ich maximal 5 EUR für ein Abendessen mit Getränk und Dessert bezahlt. Aber selbst wenn das Essen mehr kosten würde, lohnt es sich auf jeden Fall alles einmal auszuprobieren. Besonders Menemen (ähnlich wie Rührei mit Tomaten) habe ich ins Herz geschlossen, aber auch Fleischgerichte kann man hier sehr gut essen. Die Türkei ist natürlich auch für Lokum (Turkish Delight) und andere Süßspeisen wie Baklava bekannt, aber man kann sich fast nicht vorstellen, wie viel verschiedene Desserts es gibt. Sämtliche Arten von Kebab und Suppen, aber auch ganz viele andere Gerichte findet man an wirklich jeder Ecke.


Würde ich es empfehlen?

Auch wenn ich manchmal überfordert war, weil die Stadt einfach so vielseitig und laut ist (auch weil die Universität mir oft viel zu viel abverlangt hat), hat sich das Semester hier auf alle Fälle gelohnt. Es war mit Sicherheit nicht immer alles einfach hier, aber gerade durch die Herausforderung lernt man umso mehr. Außerdem kann ich sagen, dass ich hier mitunter die schönsten Sonnenuntergänge gesehen habe. Das Wetter war generell sehr mild, selbst Mitte Dezember konnte ich noch im Sonnenschein draußen Mittagessen :) Außerdem sollte man wissen, dass hier ÜBERALL Katzen sind. Ich hatte mit Sicherheit nicht das „typische“ Auslandssemester, das von Party und Urlaub geprägt ist, allerdings bin ich echt froh mich für Istanbul entschieden zu haben.