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Infizierte Werbung


Home Office, Video Calls und Abstand halten zu den Liebsten - Die Corona-Krise spiegelt sich nicht nur in unserem eintönigen Alltag in den eigenen vier Wänden wider, sondern auch in der Werbung. Dass Werbemacher ihre Inhalte aktuellen Ereignissen und der Jahreszeit anpassen, ist uns nicht neu. Kein Wunder also, dass auch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen in Werbekampagnen in 2020 und 2021 integriert werden.

Besonders zu Beginn der Pandemie vor ungefähr einem Jahr waren Werbespots mit emotionaler Musik hinterlegt, es wurde zu Solidarität aufgerufen und Danke gesagt. „Wir schaffen das gemeinsam“ oder „Wir danken Euch / unseren Mitarbeitern“ sind beispielhafte Phrasen, die im Großteil der Spots auftauchten. In folgendem Video könnt Ihr Euch einige Fernsehwerbespots aus dieser Zeit nochmal anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=HIavzqBAGNM&t=158s


Während die von Corona infizierte Werbung im Frühjahr 2020 meist emotionaler Natur war, werden die Auswirkungen der Pandemie und die derzeitige Situation heute eher spielerisch und spaßig eingebunden, wie ein paar aktuelle Beispiele zeigen sollen:


Wer kennt es nicht, Zoom-Date, oben Hemd oder Bluse, unten Jogginghose oder Unterwäsche. Genau dieses Video-Call-Phänomen und die Einschränkung, Freunde derzeit fast nur online sehen zu können, greift Snickers im aktuellen Spot „Erste Besucher“ auf: Die Gäste sitzen auf der Couch, der Ehemann kommt rein (in Unterhose) und fragt, wann es los geht. Als er die Besucher entdeckt, fällt seiner Frau auf seine schockierte Aussage „Ich dachte wir machen es online“ auch nicht mehr ein als „Äh nein“. (https://www.youtube.com/watch?v=I3BbQmj6FeA)


Dating zu Corona-Zeiten - nicht ganz einfach. Und da Reisen neben Treffen von (Un)Bekannten ebenfalls schwer ist, kombiniert Tinder die beiden Sachen einfach und wirbt mit dem Tinder Passport: Chats mit Leuten aus aller Welt und Video-Calls statt Live-Treffen. Außerdem finden sich auf dem Instagram-Account von tindergermany Beiträge wie „Was ich aus der Pandemie für mein future dating life mitnehme“ sowie die Swiperekorde, die dank der Langeweile und des Bedürfnisses nach neuen Kontakten aufgestellt wurden.

Apropos Dating: Die Tatsache, dass Dates in 2020/2021 aufgrund mangelnder Alternativen oft zuhause stattfinden, greift Rewe im neuen Spot für die Eigenmarke „ja!“ auf. Die Szene zeigt ein romantisches Date zweier Jugendlicher im Kino. Das einzig Irritierende ist die fremde Hand, die plötzlich nach den Tortilla Chips greift und Sekunden später befinden sich die beiden Turteltauben neben dem Vater des Mädchens (er im Bademantel) auf dem heimischen Sofa wieder. (https://www.youtube.com/watch?v=-QiYExmfgRY)


Der Absatz von Desinfektionsmitteln ist 2020 um einiges höher als die Jahre zuvor. Klar, dass auch Sagrotan ein Stück vom Kuchen abhaben will. Die Marke greift daher die Tatsache auf, dass man in Corona-Zeiten möglichst wenig anfassen soll, weist darauf hin, dass bis zu 80 % der Infektionskrankheiten über die Hände übertragen werden und wirbt damit, dass die eigenen Mittel gegen das Covid-19-Virus wirksam sind – ein Satz, der uns Anfang 2019 noch sehr verwirrt hätte. (https://www.youtube.com/watch?v=Z1PGiPMDYTE)



Da Reisen sich aktuell als schwierig herausstellt, verwandelt Expedia das eigene Zuhause in verschiedene Situationen des Reisens. So werden ein Tisch und zwei Kissen zum Auto und ein Tuch und Schuhe zur Straße für den Roadtrip. Ein Kleiderhaufen wird zum Berg während Bücher und Hefte die Bäume bilden. Das Bett verändert sich in ein riesiges Tablet zum Planen der Reise und das Zimmer wird zur Hotelsuite. „Vorfreude“, „Jetzt buchen“ und „Später reisen“ sind die Worte, die Kunden zum Buchen der Reise animieren sollen. (https://www.youtube.com/watch?v=4A2_lTMqH-U)


Bei einem Beitrag über den Einfluss von Corona auf die Werbung darf eines natürlich nicht fehlen: Die Impfkampagne des Bundesgesundheitsministeriums, des Robert-Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Insgesamt 25 Millionen Euro waren für die Kampagne „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“ vorgesehen. Die Plakate, TV- und Hörfunkspots sowie digitale Anzeigen wurden von der Agentur Scholz & Friends konzipiert. Mit #ärmelhoch und „Kleiner Pieks, große Wirkung“ sowie Videos von Geimpften und deutschen Prominenten wird für die Impfung gegen das Virus geworben. (https://www.youtube.com/watch?v=r9bkHMzUOZ4)


Auch wenn einige von Corona infizierte Werbungen durchaus amüsant anzusehen sind, hoffe ich, dass die Werbeproduzenten bald wieder andere, schöne Ereignisse thematisieren können. Bis dahin, bleibt gesund!