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Auf nach Örebro!


Ein Semester lang im Ausland studieren und dabei ein neues Land und eine andere Kultur kennenlernen –diesen Wunsch hatte ich schon seit Beginn meines Studiums in Pforzheim.

Letztes Jahr war es dann endlich soweit und ich konnte mich für einen Platz im Ausland bewerben. Womit ich davor natürlich noch nicht gerechnet hatte, war, dass eine Pandemie jegliche Planung unmöglich machte. Also beschloss ich mich bei meiner Auswahl auf europäische Länder zu begrenzen, in der Hoffnung, dass eine Einreise in diese Länder noch eher möglich sein wird. Als die Auswahl dann schließlich feststand, bekam ich einen Platz in der schwedischen Stadt Örebro. Von Örebro hatte ich vor dem Bewerbungsprozess noch nie etwas gehört, da es auch neu im Austauschprogramm von Pforzheim aufgenommen wurden war, aber meine allgemeine positive Vorstellung von Schweden überzeugte mich. Trotz der Zusage waren die folgenden Monate mit viel Unsicherheit verbunden. Wird das Auslandssemester trotz der hohen Corona-Zahlen stattfinden? Wird eine Einreise nach Schweden überhaupt möglich sein? Oder werde ich mein Auslandssemester nur online von zu Hause aus mitverfolgen können? Die Örebro Universität teilte uns schließlich mit, dass die Vorlesungen auf jeden Fall bis zur Mitte des Semesters online stattfinden werden, es gab jedoch trotzdem die Möglichkeit vor Ort zu wohnen. Zunächst war ich mir unsicher, ob ich unter diesen Umständen vor Ort überhaupt andere Leute kennenlernen würde und ob es der richtige Zeitpunkt für ein Auslandssemester ist. Doch letztendlich überwog mein langjähriger Wunsch, die Erfahrung zu machen im Ausland zu studieren und ich entschied mich dafür, das Semester in Schweden zu verbringen.


Mitte Januar ging es dann vollgepackt auch schon los in den Flieger nach Stockholm und von dort aus mit dem Zug weiter nach Örebro. Im Voraus wurden wir schon in verschiedene Gruppen eingeteilt, jeweils bestehend aus anderen Austauschstudenten sowie schwedischen Studenten, sogenannte „fadder“, die vergleichbar zu den Buddies an unserer Hochschule sind. Mit diesen Gruppen nahm man an einem dreiwöchigen Orientierungsprogramm teil, bei dem unterschiedliche Online-Aktivitäten, wie zum Beispiel ein schwedischer Kochabend, angeboten wurden. Durch das Orientierungsprogramm fand ich mich schnell in meiner neuen Umgebung zurecht und fühlte mich von Anfang an wohl in meinem neuen Zuhause für die nächsten Monate. Außerdem nahm ich noch an einem von der Universität angebotenen Schwedisch-Anfängerkurs teil, um ein paar schwedische Wörter zu lernen, obwohl man in Schweden auch nur mit Englisch gut klarkommt. Als Austauschstudent in Örebro kann man sich für einen Platz im Wohnheim bewerben und bekommt diesen dann auch garantiert. Somit blieb mir die Wohnungssuche erspart und ich kam in einen Korridor zusammen mit schwedischen Studenten sowie einer anderen Erasmus-Studentin unter. Das Wohnheim befindet sich direkt auf dem Campus nur wenige Minuten zu Fuß von der Universität entfernt. Diese besuchte ich wegen der Online-Vorlesungen zwar nur selten, aber der Campus bietet darüber hinaus auch moderne Lernplätze, Restaurants, einige Sportplätze und ein Fitnessstudio.


Am besten gefallen hat mir allerdings, dass der Campus direkt an ein wunderschönes Naturreservat mit Wald angrenzt, den wir oft für Spaziergänge oder Lagerfeuer genutzt haben.


Dadurch, dass das Semester in Schweden schon so früh beginnt, hatten wir die Möglichkeit, das Land auch noch während des Winters zu erleben. Den Schnee und das kalte Wetter nutzten wir, um Schlitten fahren zu gehen oder auf dem zugefrorenen See in Örebro Schlittschuh zu fahren. Ich bin froh, dass wir Schweden sowohl im Winter als auch bei warmen Temperaturen sehen konnten, da ich dadurch das Gefühl habe, das Land auf zwei unterschiedliche Arten erlebt zu haben.


Das Vorlesungssystem in Schweden unterscheidet sich von unserem in Pforzheim. Anstatt alle Kurse gleichzeitig zu belegen und am Ende mehrere Prüfungen im selben Zeitraum schreiben zu müssen, hat man in Schweden die Kurse nacheinander. Ein Kurs dauert fünf Wochen und endet danach jeweils mit einer Prüfung. Insgesamt hatte ich vier Kurse und konnte dabei auch Module mit Marketing-Bezug wählen. Außerdem gibt es an der Örebro Universität weniger Vorlesungsstunden und dafür etwas mehr Gruppenarbeiten und Präsentationen. Mir hat dieses andere System gut gefallen, da man sich dadurch besser auf ein Fach konzentrieren kann. Letztendlich blieb es auch das komplette Semester lang bei Online-Vorlesungen.

Auch unsere Prüfungen fanden online statt, was ich bis dahin aus Pforzheim ja noch nicht gewöhnt war, aber das funktionierte immer ohne Probleme. Im Vergleich zu anderen Ländern gab es in Schweden nur wenige Corona-Einschränkungen, sodass wir einen halbwegs normalen Alltag erleben durften.


Zwar konnten wir die Nachbarländer von Schweden nicht besuchen, aber dafür hatten wir umso mehr Zeit Schweden zu erkunden. Zu meinen Highlights gehört auf jeden Fall unsere Reise in das schwedische Lappland. Die Landschaft dort mit den Massen an Schnee, den Bergen und den zugefrorenen Wasserfällen und Seen ist definitiv beeindruckend. Wir hatten das Glück auch die Nordlichter sehen zu können und den Anblick von den grünen und pinken Lichtern am Himmel werde ich hoffentlich nie vergessen. Da Örebro relativ zentral in Schweden liegt, kommt man auch gut in andere größere Städte wie zum Beispiel Stockholm oder Göteborg. Aber auch an Natur hat Schweden mit den vielen Wäldern und Seen einiges zu bieten.



Wie man es von einem Auslandssemester in Schweden erwartet, kam natürlich auch der Verzehr der landestypischen Zimtschnecken nicht zu kurz. Denn eine der beliebtesten Aktivitäten der Schweden ist die sogenannte „fika“, quasi eine Kaffeepause, bei der man sich mit anderen Leuten trifft und dabei ein Stück Gebäck oder Kuchen isst. Insgesamt kann ich sagen, es war für mich definitiv die richtige Entscheidung, trotz Onlinesemester nach Schweden zu reisen.

Mein Auslandssemester hat mir viel besser gefallen, als ich es mir zuvor ausgemalt hatte und ich bin dankbar für die vielen neuen Erfahrungen und Freundschaften, die in dieser Zeit entstanden sind. Ich kann jedem nur empfehlen, selbst mal ein Auslandssemester zu machen und ich bin mir sicher, ihr werdet es nicht bereuen. Auch Örebro kann ich euch als Ort für das Auslandssemester nur ans Herz legen, denn auch wenn es keine bekannte Stadt ist, bietet es alles, was man für eine gute Zeit braucht.